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Der Freundeskreis Marienberg hat zu seiner jährlichen Klausurtagung in der Fastenzeit den bekannten Historiker Hans Heiss zu einem Vortrag über den 1. Weltkrieg und die Folgen für die Südtiroler Bevölkerung nach Marienberg geladen. Der Krieg wirkte wie eine gigantische Zentrifuge, sagt Heiss.

Willkommen hieß Abt Markus Spanier die beachtliche Gruppe des Freundeskreises von Marienberg am 11. März 2018. An die Gründung des Freundeskreises vor 38 Jahren erinnerte Andreas Folie, der seither dem Verein als Präsident vorsteht. Mindestens zwei Veranstaltungen pro Jahr, eine Klausur in der Fastenzeit und eine Wanderung im Herbst, habe man sich damals zum Ziel gesetzt und man habe dieses Ziel jährlich umgesetzt. 100 Jahre nach Beendigung des 1. Weltkrieges hat der Vorstand heuer den bekannten Historiker und Landtagsabgeordneten der Grünen Hans Heiss geladen. Über die Irrungen und Wirrungen, über die Auswirkungen auf Südtirol, auch über die Auswirkungen bis in die heutigen Tage – so die Zielvorgaben für Heiss.
Heiss bezeichnete den 1. Weltkrieg als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, der Europa, auch die gesamte Welt wesentlich verändert habe. Die beispiellose Umwälzung, die der „Great War“ nach sich zog, war Antrieb für weitere Konflikte im 20. Jahrhundert. „Der Krieg wirkte wie eine gigantische Zentrifuge, Millionen Tote und riesige Veränderungen in der Zivilgesellschaft“, sagte Heiss. Tirol war unter anderem auch Mittelpunkt des Konfliktes. Durch geheime Zugeständnisse an Italien in London, unter anderem auch mit dem Versprechen, das südliche Tirol bis zum Brenner zu erhalten, verlief mit dem Kriegseintritt Italiens 1915 die Front an den südlichen Grenzen des bisherigen Tirol. Tirol war damit Front und Kriegshinterland, mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung. Die sich damals gegenseitig aufschaukelnde Propaganda zwischen „maledetti crucchi“ und „ruchlosen Itaker“ fand, so Heiss, im Laufe des 20. Jahrhunderts durchaus Fortsetzungen, im Nazi-Hetzblatt „Der Stürmer“ bis zu heutigen Shitstorms im Internet. Gelitten habe in diesen Kriegswirren vor allem das Trentino, welches am härtesten getroffen wurde. Die Trennungen, Spaltungen zwischen Tirol, Südtirol und dem Trentino rührten vor allem von diesem unsäglichen Frontverlauf mit seinen Folgen her. Die kollektive Erinnerung im Trentino ist eine andere als jene in Südtirol. Erst seit etwa 30 Jahren sei das Verständnis zwischen den Landesteilen gewachsen.
Offen lauschten die Freunde Marienbergs den klaren Ausführungen von Hans Heiss.
Im Anschluss an den Vortrag war das Mitgestalten der Vesper Ehrensache. Abt Markus führte danach in die spektakuläre Bibliothek und bei einer gemeinsamen Marende ließ die Gruppe die Klausur ausklingen.
Erwin Bernhart