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Am 20.10.2022 starb im Kloster Marienberg im 83. Jahr seines Lebens, im 60. Jahr seiner
feierlichen Profess und im 56. Jahr seines Priestertums
P. Dr. theol. Martin Angerer OSB (*17. Mai 1939 +20.10.2022)
Geboren in Schlinig am 17. Mai 1939, trat er am 24. September 1956 in das Kloster Marienberg
ein, wo er sich endgültig durch die feierliche Profess am 16. September 1962 der klösterlichen
Gemeinschaft anschloss. Die theologischen Studien absolvierte er in San Anselmo Rom von
1961 bis 1967. Am 30. Juni 1964 empfing P. Martin die Subdiakonatsweihe in Montecassino
und am 29. Juli 1966 die Priesterweihe in Brixen. Die Primiz durfte er in seiner geliebten Heimat
Schlinig am 3. August 1966 feiern. In Trier vertiefte er die Studien der Liturgiewissenschaft in
den Jahren 1967 bis 1968 und wurde 1969 zum Doktor der Theologie in Rom promoviert. Nach
seiner Promotion wirkte er für fünf Jahre bis 1974 als Präfekt und Lehrer an der Mittelschule in
Marienberg. Für ein Schuljahr 1971/1972 half er als Lehrer an der Klosterschule Disentis aus.
1974 übernahm P. Martin für drei Jahre das Amt des Regens im Schülerheim Rediffianum in
Meran. 1977 wurde ihm das Amt des Priors in Marienberg übertragen. Gleichzeitig war er Lehrer
an der Stiftschule Marienberg. Nachdem die Klosterschule im Jahr 1986 geschlossen wurde,
unterrichtete er bis 1994 das Fach Religion an der Kaufmännischen Lehranstalt in Mals. Neben
seinen vielen Tätigkeiten befasste sich P. Martin mit der Geschichte der näheren Umgebung
Marienbergs und veröffentlichte historische Publikationen zur Höfegemeinschaft Schlinig und
zu den Dorfgemeinschaften Burgeis und Schleis. Seit 2008 war er auch Mitglied der historischen
Sektion der Bayerischen Benediktinerakademie.
Abt Bruno ernannte P. Martin im Jahr 1994 zum Pfarrer von Burgeis. Daraufhin zog er in den
Widum von Burgeis. Er entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem begnadeten und geschätzten
Prediger. Trotz seines Einsatzes in der Pfarrei Burgeis und in der Pfarrei Schleis (1998–2000)
übernahm er auch verschiedene Dienste im Kloster. So übte er nach dem Tod von P. Leo 1998
den Dienst als Organist aus und spielte jeden Sonntag bei der hl. Messe die Orgel. Ebenso setzte
er sich im Noviziatsunterricht als Lehrer für die Fächer Latein und Italienisch ein. Nach seiner
schweren Erkrankung im Jahre 2010 kehrte er in das Kloster zurück. Zu seiner großen Freude
erholte er sich doch wieder und konnte die Seelsorge in Burgeis mit Hilfe der Mitbrüder bis 2019
fortsetzen. Nach seiner Pensionierung als Pfarrer unterstütze er seinen Nachfolger noch im
Rollstuhl sitzend tatkräftig in der Pfarrei.
Es war P. Martin ein großer Trost, die letzte Zeit in seinem geliebten Kloster zu verbringen,
bestens betreut von Frau Rosamunde Wegmann, seinem Hausarzt Dr. Giovanni Braglia, Dr.
Josef Stocker und Dr. Helmut Weiss, dem Hauspflegedienst vom Sprengel Mals, den
Angehörigen und den Mitbrüdern. Wir danken P. Martin aufrichtig für seinen leidenschaftlichen
Einsatz für das Kloster und dessen Gemeinschaft in Gebet und Arbeit.
Wir beten die Seelenrosenkränze von Freitag bis Sonntag, jeweils um 20:00 Uhr in der Stiftskirche.
Das Pontifikalrequiem für den Verstorbenen feiern wir am Montag, 24.10.2022 um 14:00 Uhr mit
Bischof Dr. Ivo Muser in der Klosterkirche mit anschließender Beisetzung auf dem Klosterfriedhof
bei St. Stephan.
Abt Markus Spanier OSB mit Konvent und Angehörigen

Santa Honz und Marx-Kirche

In den Genuss der mit Begeisterung vorgetragenen Ausführungen von Franz Waldner kamen am 1. Oktober 2022 rund 30 Mitglieder des Feundeskreises Marienberg. Die Laaser Pfarrkirche zum hl. Johannes und die Marx-Kirche standen im Mittelpunkt des Kulturnachmittages, zu dem der Vorstand des Freundeskreises Marienberg um Präsident Andreas Folie eingeladen hatte.  Gefolgt sind dieser Einladung Freunde Marienbergs aus allen Landesteilen, aus der Sterzinger Gegend, aus der Bozner und Meraner Gegend ebenso wie viele aus dem Vinschgau.

Der ehemalige Direktor der Landesberufsschule in Schlanders Franz Waldner wies auf den zeitgeistigen  Umbau von „Santa Honz“, wie die Laaser Pfarrkirche von den Laaser genannt wird, im 19. Jahrhundert hin. Das jahrhundertealte Langhaus musste einem größeren Umbau im damals üblichen neugotischen Stil weichen. Die Andeutung dieses Langhauses aus der Romanik findet sich noch in der Apsis wieder. Als Meisterwerk bezeichnete Waldner die Rekonstruktion der Apsis aus den gefundenen Marmorsteinen durch Nicolò Rasmo im Jahre 1974. 

Die profanisierte ehemalige Kirche zum hl. Markus, die Marx-Kirche, war in den vergangenen Jahrzehnten durch verschiedenen Nutzungen, vom Schafsstall, über die Sennerei, dem darüberliegenden Musikprobelokal bis zu Klassen für die Grundschule, zweckentfremdet und auch architektonischen Leiden unterworfen. Architekt Werner Tscholl hat die ausgebrochenen Fenster in der Nordfassade durch hinter Glas geschützte Mauerwerk-Bilder gleichzeitig entfernt und darauf hingewiesen.

Mit Informationen bepackt und Waldners Begeisterung nachklingen lassend, entfaltete sich der gesellige Teil bei Buffet und Wein im Gastahus zur Sonne. Abt Markus Spanier berichtete dort über die aktuelle Lage im Kloster und überreichte den Mitgliedern des Freundeskreises einen frisch gedruckten und von Leo Andergassen verfassten Führer über die Kirche St. Stephan. (eb)

Nach einer mehr als einjährigen Corona-bedingten Zwangspausierung konnten sich die Mitglieder des Freundeskreises Marienberg endlich wieder bei einem Treffen sehen. Üblicherweise veranstaltet der Freundeskreis Marienberg im Herbst eine erbauliche Exkursion zu kirchlichen oder weltlichen Stätten, die im weitesten Sinne mit dem Kloster Marienberg zu tun haben. Am 2. Oktober 2021 wurde das Kloster selbst zum Treffpunkt, denn im Kloster und rund um das Kloster gibt es Neuerungen und viel zu erkunden. So war St. Stephan die erste Station mit einer professionellen Führung durch die Kunsthistorikerin Helene Dietl Laganda. Willkommen geheißen wurden die Mitglieder des Freundeskreises vom Prior Pater Philip Kuschmann und vom Präsidenten des Freundeskreises Andreas Folie. Der Einladung gefolgt waren um die 40 Freundeskreis-Mitglieder, die das Wiedersehen mit Freude und Neugier genossen haben.

In der aus der vorkarolingischen Zeit (5. – 6. Jahrhundert n. Chr.) erbauten Kirche St. Stephan sind in jüngster Zeit bedeutende Freskenfunde aus dem 15. Jahrhundert freigelegt und restauriert worden. Der in den 80er Jahren angelegte klösterliche Friedhof, der durch die Entfernung der Grablegen in der Krypta und der damit einhergehenden Freilegung der prächtigen Fresken, notwendig geworden war, ist neugestaltet worden. Dietl Laganda führte anschließend durch die Ausstellungsräume, in denen die schulischen Sammlungen und die mineralogischen Sammlungen präsentiert werden. Der Weg führte auch vorbei an ausgestellten Zinntellern, die bei vielen ehemaligen Klosterschülern Erinnerungen an die morgendliche Brennsuppe, an das im Kloster gebackene Brot und an andere genossene Kulinaria weckten.

Im Anschluss an die Führungen und an die Besichtigungen vieler Neuheiten in den klösterlichen Mauern und deren Umgebung widmeten sich die Mitglieder dem geselligen Teil bei Marende, Wein und Wasser. Pater Sebastian Kuenrath, Pater Pius Rabensteiner und Pater Peter Perkmann mischten sich in die Gesellschaft und sorgten ihrerseits für das Auffrischen von Erinnerungen. (eb)

St. Stefanus-Kirche und Friedhof

Die erste Bauphase der St. Stefanskirche ist auf Grund von archäologischen Ausgrabungen und Untersuchungen durch das Landesdenkmalamt dem 5./6. Jahrhundert zuzuordnen. Eine zweite Bauphase erfolgte ungefähr 2 Jahrhunderte später: die alte Kirche wurde fast vollständig abgebrochen und durch einen neuen Bau ersetzt. Neben diesem spätkarolingischen   Bau dürfte um 1146 der erste Sitz des Klosters Marienberg entstanden sein.  Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahre 1181. Im Laufe der Jahrhunderte erfolgten immer wieder Um- und Zubauten.

Bemerkenswert sind die spätgotischen Fresken, die laut Inschrift aus dem Jahr 1498 stammen und erst in letzter Zeit freigelegt wurden. Dieser Freskenfund ist laut Leo Andergassen der bedeutendste der letzten Jahre in Südtirol. „Die heilsgeschichtliche Verquickung zwischen der Stefanusverehrung mit jener Mariens in Verbindung mit ausgewählten Heiligen, zu denen auch die Nothelfer zu rechnen sind, ergeben ein vordergründig marianisches Konzept“.

Der neben der Kirche gelegene Friedhof für die Conventualen des Klosters Marienberg wurde neugestaltet und bildet ein ganzheitliches Bild mit dem Kirchenbau, es ist ein Kraftort zum Verweilen, zum Besinnen und zum Gebet.

 

Kulturwanderung im Münstertal 2019
Der Freundeskreis Marienberg „A la riva del Rom
Mit dem Schweizer Postauto ging`s von der Grenze in Taufers nach Valchava, wo der Pastor im „Unruhestand“ Hans-Peter Schreich in der Biblioteca Jaura eine zahlreiche Schar vom Freundeskreis Marienberg empfing. 40 Jahre lang hat Pastor Schreich die reformierte Gemeinde im Val Müstair betreut und in dieser Zeit unter anderem eine ansehnliche Bibliothek aufgebaut, in der kein Schriftstück über das Val Müstair, über das benachbarte Taufers im Münstertal und über die beiden Klöster St. Johann und Marienberg fehlt. Schreich referierte mit Begeisterung über Gemeinsames und Trennendes zwischen dem Val Müstair und dem Vinschgau. Verbindendes Element (später auch trennendes) waren die Klöster St. Johann und Marienberg. Über 720 Jahre lang bis 1816 gehörten der Vinschgau und das Val Müstair zum Bistum Chur. Die Matscher Grafen hatten lange Zeit die Vogtei über beide Klöster. In großen Teilen des Oberen Vinschgaus wurde rätoromanisch gesprochen, bis es aufgrund der Reformation zu Beginn des 17. Jahrhunderts zum drastischen Zurückdrängen des Rätoromanischen vor allem auf Betreiben vom Marienberger Abt Matthias Lang kam. Seit 1618 durfte im Einflussgebiet von Marienberg nur noch auf Deutsch gepredigt werden, in Verwaltungsstellen und in den Gemeinden waren nur noch Deutschsprechende zugelassen. Romanisch wurde als Sprache der Ketzer verunglimpft. Schreich wies auf die wunderbaren Bemalungen der Häuser in Valchava hin und führte die Freunde Marienbergs in die evangelische und dann in die katholische Kirche.
Den Kontakt mit Hans-Peter Schreich hatte das Vorstandsmitglied Gerhard Kapeller geknüpft und so einen Einblick in die Münstertaler Nachbarn ermöglicht.
„A la riva del Rom“, also entlang eines wunderbaren Weges am Rambachufer, wanderte die Gruppe Tal auswärts und überquerte die grüne Grenze bei Puntweil. Im Grenz-Gasthaus Avinga ließen die Marienberger, begleitet von Pater Pius und von Frater Aemilian bei zünftiger Marende den Wandertag ausklingen.
Erwin Bernhart

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  • Am Samstag, 29. Juni 2019, dem Fest der Apostel Petrus und Paulus, weihte Diözesanbischof Ivo Muser im Rahmen eines feierlichen Hochamtes den Diakon Anselm Krieg zum Priester. P. Anselm stammt aus Hamm in Westfalen, hat in Münster Theologie und Philosophie studiert und lebt seit 7 Jahren in der Klostergemeinschaft von Marienberg, wo er 2014 die Ewige Profess abgelegt hatte und 2016 zum Diakon geweiht worden war. Für die Klostergemeinschaft und die Diözese war dies ein besonderer Tag: Es ist die einzige Priesterweihe dieses Jahres. Die feierliche Primiz feierte der Neupriester am darauffolgenden Sonntag und erteilte den zahleichen Gläubigen den Primizsegen. Umrahmt wurden die beiden Gottesdienste von der Singgemeinschaft Burgeis.

Wendelin Weingartner zu Gast

Im September 2019 werden es 100 Jahre sein, dass Südtirol durch den Friedensvertrag von St. Germain  von Österreich abgetrennt und dem Königreich  Italien zugeschlagen wurde.  Aus diesem Anlass hat der Freundeskreis Marienberg einen hochkarätigen Referenten für die traditionelle Klausurtagung geladen: den  ehemaligen Landeshauptmann von Tirol, Wendelin Weingartner, Der agile Politpensionär regte durch kritische Äußerungen zu Diskussionen an.

Es war die erste Veranstaltung im Lesesaal der neuen Bibliothek von Marienberg. Unter dem Wappenfries aus der Renaissance hießen Abt Markus Spanier und  der Präsident des Freundeskreises Marienberg Andreas Folie viele Mitglieder willkommen und vor allem den Nordtiroler Alt-Landeshauptmann Wendelin Weingartner. Weingartner, dessen Mutter aus Bozen und dessen Vater aus Osttirol stammen, spannte um die Frage nach einem gemeinsamen Tiroler Bewusstsein einen Bogen vom Friedensvertrag  von St. Germain 1919 bis in die Gegenwart.

Es waren schon die „potschaten Wiener“, die am Ende des 1. Weltkrieges zwei Tage zu früh die Waffen niederlegen ließen und so den Weg frei machten für den widerstandslosen Einmarsch der Italiener in Südtirol.  Nach der Einverleibung Südtirols wurde von Seiten Italiens in, so Weingartner, drei Phasen die Südtiroler Identität angegriffen, um die Bevölkerung zu assimilieren. Als erstes war es  die Unterdrückung der Sprache, vor allem in der Faschistenzeit der 20iger und 30iger Jahre. Weil das nicht gelungen  ist und sogar zu einem Zusammenrücken der Südtiroler geführt hat, wurde mit der Option der direkte Angriff auf die Heimat gestartet.   Letztlich wurde das Unterfangen gestoppt, trotzdem sind 75.000 Südtiroler ausgesiedelt. Das Fazit, das Weingartner aus dieser Erfahrung gezogen hat: Die Dableiber waren Wirtschaftsleute und Bauern, die Optanten waren die Arbeitnehmer. Daher rührten auch die bis heute geltenden Machtverhältnisse im Lande, in dem die Wirtschaft und die Bauern das Sagen hätten.

Die dritte Welle der Assimilierung kam nach dem Krieg mit dem Versuch der Unterwanderung. Das Aufbegehren dagegen waren unter anderem die Attentäter, die „bei Gott keine Verbrecher waren.“ „Ich persönlich glaube, dass dieser Widerstand den Konsens in Richtung Autonomie geebnet hat“, sagte Weingartner.

Im Übrigen sei die Autonomie die Basis für den Erhalt von Kultur und Sprache fundamental. Bekennt man sich zur Autonomie, dann bekenne man sich zu einer inneritalienischen Lösung. Allerdings habe sich die Südtiroler Autonomie zu einer Art Regionalstaatlichkeit entwickelt – mit einer Abschottung  nicht nur gegenüber Rom sondern auch gegenüber dem Norden.

Ein Hegen von Mindestfeindbildern legte Weingartner der SVP ans Herz und mahnte zu einem „Mindestabstand zu Rom“. Allerdings habe die SVP ein Problem, weil das Feindbild Rom mit der Autonomie nicht mehr ziehe. Weingartner riet zu Leuchtturmprojekten vor allem bei Bildungsstrukturen. Nach kurzer Diskussion und nach der gemeinsamen Vesper führte Abt Markus durch die Ausstellung „Klosterarbeiten“. Angeregt weiterdiskutiert wurde bei einer Marende.

Erwin Bernhart

Bei schönem Herbstwetter besuchten Mitglieder des Freundeskreises Marienberg am Samstag, 29. September 2018, das Zisterzienser Stift Stams im Inntal.Der Name „Stambs“ ist erstmals im Jahr 1065 erwähnt. Die Gründung des Stiftes Stams fällt ins Jahr 1273: Graf Meinhard II. von Görz-Tirol stiftete hier das Kloster, das fortan als Begräbnisstätte der Grafen von Görz-Tirol dienen sollte. Graf Meinhard II. hat das Kloster mit Privilegien und Schenkungen reichlich ausgestattet. Er und seine Frau sind in der Gruft der Stiftskirche beigesetzt. 1525 kam es, so wie in Marienberg, im Zuge der Bauernaufstände zu Plünderungsaktionen. 1593 vernichtete ein Großfeuer große Teile des Klosterkomplexes. Zwischen 1650 und 1750 setzt dann eine rege Bautätigkeit in Stams ein, bei welcher die beiden markanten „Zwiebeltürme“ errichtet und die Stiftskirche, so wie in Marienberg, von romanischer Grundlage auf den barocken Baustil umgewandelt wurde. 1807 wurde das Kloster, so wie Marienberg, von den bayerischen Behörden aufgehoben, 1816 unter Kaiser Franz I. wiedererrichtet. 1938 wurde das Stift von den nationalsozialistischen Machthabern besetzt und ein Jahr später offiziell aufgelöst, die Patres wurden ins Exil getrieben. Während des Zweiten Weltkriegs diente die Stiftskirche als Lagerhalle, in den anderen Räumlichkeiten waren Optanten aus Südtirol und gegen Kriegsende Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten untergebracht. 1945 gab es einen Neubeginn, wobei vor allem Mönche aus der Zisterzienserabtei Sticna (Sittich) im damaligen Jugoslawien (heute Slowenien) beigetragen haben, die nach der Flucht vor den Kommunisten Titos in Stams eine neue Heimat fanden. Nach der Begrüßung durch Abt German Erd überreichte ihm der Vorsitzende Andreas Folie das neue Buch über Marienberg „Kloster erleben“ sowie eine Flasche Wein au dem Weinberg beim Kloster. Abt Markus feierte anschließend die Hl. Messe. Nach dem Mittagessen in der Orangerie stand eine Führung durch die Kirche und das Museum an. Begleitet wurde die Gruppe vom Reiseleiter und Mitglied des Freundeskreises Dr. Heinrich Hofer. Mit dieser Fahrt wurden die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Marienberg und Stift Stams vertieft.

Der weite Weg in die Stille

Der 49-jährige Frater Aemilian Wentzel ging einen langen Weg bis zu seinem Ziel: Der Benediktinermönch hat am Sonntag, 15. Juli 2018, dem Hochfest des Heiligen Benedikt, in der Klosterkirche von Marienberg seine feierliche Profess abgelegt und sich damit für immer der Mönchsgemeinschaft von Marienberg angeschlossen. Frater Aemilian trat im Januar 2012 ins Kloster ein und begann im September desselben Jahres mit dem Noviziat. Frater Aemilian kommt aus Premnitz im Landkreis Havelland in der ehemaligen DDR.. Die Kindheit des 1968 Geborenen war nicht leicht. Seine Eltern hatten sich 1970 scheiden lassen, seinen Vater kennt er nicht. Die alleinerziehende Mutter war Chemielaborantin und musste viel arbeiten. Sie starb mit nur 69 Jahren. Ralf – so heißt Frater Aemilian mit bürgerlichem Namen – war kein begeisterter Schüler. Trotzdem hat er die 10jährige Schule mit der mittleren Reife erfolgreich abgeschlossen. Es wären noch zwei Jahre bis zum Abitur gewesen. Für Ralf damals deshalb schwierig, weil er in der religionsfeindlichen DDR als evangelischer Christ keine Chance hatte. „Der sozialistische Weg mit Jugendweihe und dieses Tam-Tam kam für mich nicht in Frage“, erzählt Ralf. Mit vierzehn lermte Ralf kurz nach seiner Konfirmation eine katholische Schülerin aus der Parallelklasse kennen. Diese hatte ihn in die katholische Kirche zu einer Rosenkranzandacht mitgenommen. „Meine ersten Gedanken waren: Was wiederholen die da eigentlich? Ich fand das ganz befremdlich.“ Das war der erste Kontakt mit der katholischen Kirche. Dann entschloss er sich, das Christsein wirklich zu praktizieren und besuchte einen zweijährigen Kovertitenunterricht. Der katholische Pfarrer schenkte ihm ein Büchlein mit dem Titel „Christen, die anders leben“. Darin waren alle Männer und Frauenorden in der DDR aufgezählt. Er versuchte, sich ein Bild zu machen über Menschen, die das Christentum so richtig leben. „Ich habe eine solche Lebensform fast unheimlich und spannend im Kopf gehabt.“ Im November 1985 betrat er dann zum ersten Mal ein Kloster Er besuchte das Benediktinerkloster Huysburg bei Halberstadt und hielt sich für einige Tage dort auf. Hierher ist er im Laufe der Jahre immer wieder zurückgekehrt. „Für mich war das ein Stück Heimat. Hier konnte ich geistig auftanken, konnte dem DDR-Alltag entfliehen. Das war eine Welt, die hatte mit der DDR nichts zu tun. Da war sozusagen eine Glocke drüber. Man konnte unbefangen reden, auch was so den DDR-Staat anging.“ Nach einer Ausbildung bei der Post arbeitete Ralf dort bis zur Wende und machte anschließend eine zweite Berufsausbildung als Reiseverkehrskaufmann. Anschließend arbeitete er ein halbes Jahr im Gästehaus eines Klosters in der Schweiz, wo er im Gastpater seinen geistlichen Begleiter fand.. Dieser Kontakt ist bis heute aufrecht geblieben. Weitere drei Jahre arbeitete er in Frankreich und hat dort viele Klöster kennen gelernt. 1994 kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete dort bis zum Jahre 2000 als Touristiker. Daraufhin übersiedelte er nach Bingen am Rhein und fand einen Arbeitsplatz am Flughafen Frankfurt. „Ich wollte von Anfang an Mönch werden“. Diesem Wunsch folgte er, gab seine Arbeit im Flugzentrum auf und trat in ein deutsches Benediktinerkloster ein, das er nach 3 Jahren wieder verließ. Die Gründe kann er nicht mehr genau nennen. „Ich war damals sehr ehrgeizig. Mich hat einiges gestört und deshalb habe ich die Konsequenzen gezogen.“ Ralf zieht nach Mainz und arbeitet in der Diakonie und Caritas. Im Internet entdeckt er Marienberg und öffnet die damalige Homepage. „Die fand ich schlecht. Die hat mich nicht angesprochen. Ich habe dann auf einer anderen Seite mehrere wunderschöne Bilder von der Klosteranlage entdeckt und mich entschlossen hinzufahren.“ So kam Ralf übern Brenner und Bozen nach Mals. Dort hat ihn Pater Martin abgeholt. Vom Äußeren war er sofort begeistert. In den 14 Tagen seines Aufenthaltes hat er viel fotografiert. Er hat auch gemerkt: Auch hier vergeht Altes und Neues wird aufbrechen. Bei einem weiteren Aufenthalt „Kloster auf Zeit“ wurde ein Klostereintritt mit Abt Bruno und Prior Markus besprochen. Auch das Ordenskapitel befürwortete den Eintritt. Im September 2012 trat Ralf das Noviziat an und wurde eingekleidet. Im Februar 2014 legte er die zeitliche Profess ab und nahm den Namen Aemilian an. Seitdem ist er im Kloster hauptsächlich in der Wäscherei (für Konvent- und Gästehauswäsche sowie Kirchenwäsche) tätig. An Werktagen versieht er den Ministrantendienst und ist neben Pater Peter der zweite Sakristan. Abwechselnd wird er zu Wochendiensten wie Spüldienst, Tischdienst, Lektorendienst und anderes eingeteilt. Frater Aemilian durchlebt alle Höhen und Tiefen, die auch in der Lebensform einer Klostergemeinschaft vorkommen. „Wenn ich abwesend bin, im Urlaub oder auf Fortbildung, dann ist es immer wieder wohltuend, wenn ich nach Hause fahren kann. Ich empfinde es gerade dann, wenn ich diesen Klosterrahmen nicht habe, wie sehr ich doch vom klösterlichen Tagesablauf geprägt bin. Ich gehe auch davon aus, dass man im Kloster täglich Fortschritte macht und immer weitersucht, immer mehr von sich ablässt und mehr und mehr Christus in sein Herz hineinlässt und versucht, ihm die erste Stelle zu geben. Da der hl. Benedikt das Kloster als „Schule“ im Dienst Christi verstanden hat, ist man dort zeitlebens unterwegs zu Gott und hat nie ausgelernt.“
Andreas Waldner